PIAAC-Präsentation im Burgenland: Stärkung der Grundkompetenzen bleibt zentrale Aufgabe
12.06.2026 | VHS
Bei der von der Burgenländischen Konferenz der Erwachsenenbildung (BuKEB) organisierten Veranstaltung zur aktuellen PIAAC-Studie am 11. Juni 2026 im Haus der Begegnung in Eisenstadt standen die Grundkompetenzen Erwachsener in Österreich im Mittelpunkt. Im Rahmen der Präsentation stellte Dr. Eduard Stöger (Statistik Austria) zentrale Ergebnisse und Entwicklungen im internationalen Vergleich vor und diskutierte diese im Anschluss mit Vertreter:innen aus Bildung, Verwaltung und Erwachsenenbildung.
Die präsentierten Analysen zeigen deutlich: Die soziale Herkunft bleibt ein entscheidender Faktor für den Erwerb von Lesekompetenz – ein Einfluss, der in den letzten Jahren sogar noch zugenommen hat. Zwar wirken Bildungsmaßnahmen wie frühkindliche Förderung positiv, sie können bestehende Ungleichheiten jedoch nicht vollständig kompensieren. Vielmehr besteht die Gefahr, dass sich bestehende Disparitäten im Bildungssystem weiter verfestigen.
Darüber hinaus wurde deutlich, dass sich Veränderungen im Leseverhalten auf die Kompetenzentwicklung auswirken. Während das Lesen kurzer, einfacher Texte zunimmt und gewisse Kompetenzen stabilisiert, geht das Lesen komplexerer Inhalte zurück – mit negativen Folgen für die Lesefähigkeit. Ergänzend beeinflussen auch Arbeitsbedingungen und Lebenslagen die Kompetenzentwicklung: geringere Anforderungen im Beruf, weniger Leitungsfunktionen, gesundheitliche Einschränkungen oder sinkendes ehrenamtliches Engagement stehen mit einem Rückgang der Lesekompetenz in Zusammenhang. Insgesamt wird deutlich, dass die Entwicklung von Grundkompetenzen das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus Bildungsbiografie, Arbeitswelt und gesellschaftlicher Teilhabe ist.
Ein weiterer zentraler Befund betrifft die Weiterbildungsbeteiligung: Österreich und die D-A-CH-Region liegen im internationalen Vergleich weiterhin hinter führenden Ländern wie den nordischen Staaten zurück. Sowohl bei formaler als auch bei nicht-formaler, berufsbezogener Weiterbildung bestehen deutliche Aufholbedarfe.
In der anschließenden Diskussion betonte KEBÖ-Generalsekretär Dr. John Evers aus Sicht der Erwachsenenbildung, dass es positiv zu bewerten sei, dass die Bundesregierung im Bereich Basisbildung und Erwachsenenbildung nicht kürzt, sondern gezielt Impulse setzt. Angesichts der großen Zahl an betroffenen Erwachsenen mit niedrigen Grundkompetenzen brauche es jedoch eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Akteur*innen, um nachhaltige Verbesserungen zu erreichen.
Für die österreichischen Volkshochschulen bestätigen die Ergebnisse die zentrale Rolle ihrer Arbeit: niederschwellige Angebote, lebensbegleitendes Lernen und gezielte Förderung von Grundkompetenzen bleiben entscheidend, um Bildungsungleichheiten abzubauen und Teilhabe zu stärken.