Neuer Bericht: Zivilgesellschaft in Österreich unter Druck, bleibt aber handlungsfähig
01.10.2026 | EB in Europa
Der aktuelle Civic Space Report 2026 – Austria des European Civic Forum zeichnet ein differenziertes Bild der Lage der Zivilgesellschaft in Österreich. Einerseits wird Österreich weiterhin als Land mit einem „offenen“ zivilgesellschaftlichen Raum eingestuft. Andererseits identifiziert der Bericht zunehmende politische, finanzielle und gesellschaftliche Herausforderungen für Vereine, NGOs und andere gemeinnützige Organisationen.
Für die Erwachsenenbildung und die Volkshochschulen sind die Befunde besonders relevant. Der Bericht betont die Bedeutung einer starken Zivilgesellschaft für demokratische Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Zugang zu verlässlichen Informationen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass wirtschaftliche Unsicherheit, Budgetdruck sowie zunehmende Angriffe auf die Legitimität zivilgesellschaftlicher Organisationen ihre Arbeit erschweren.
Positiv hervorgehoben werden die Reformen des Gemeinnützigkeitsrechts, die seit 2024 den Zugang zum Gemeinnützigkeitsstatus erleichtert haben. Dadurch konnten laut Bericht rund 1.300 zusätzliche Organisationen einen gemeinnützigen Status erlangen. Dies stärkt die finanzielle Basis vieler Einrichtungen und verbessert ihre Entwicklungsmöglichkeiten.
Gleichzeitig warnt der Bericht vor politischen Entwicklungen, die das Vertrauen in zivilgesellschaftliche Organisationen untergraben könnten. Genannt werden insbesondere Kampagnen gegen NGOs sowie parlamentarische Anfragen, die sich gezielt mit deren Finanzierung und Tätigkeit befassen. Solche Entwicklungen könnten langfristig die Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz gemeinnütziger Organisationen beeinträchtigen.
Auch die Medienlandschaft steht laut Bericht unter Druck. Finanzielle Belastungen und die schwierige Situation unabhängiger Medien könnten den Zugang zu qualitativ hochwertiger Information erschweren. Zugleich wird die Bedeutung von Medienkompetenz und kritischer Informationsbewertung hervorgehoben.
Für die Volkshochschulen ergeben sich daraus wichtige Aufgaben. Erwachsenenbildung leistet einen zentralen Beitrag zur Förderung demokratischer Kompetenzen, zur Stärkung von Medien- und Informationskompetenz sowie zur Teilhabe unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und zunehmender Desinformation gewinnen diese Bildungsaufgaben weiter an Bedeutung.
Der Bericht macht deutlich: Eine lebendige Demokratie braucht starke zivilgesellschaftliche Organisationen, unabhängige Medien und niederschwellige Bildungsangebote. Die Volkshochschulen leisten dazu als größte gemeinnützige Erwachsenenbildungseinrichtungen Österreichs einen wesentlichen Beitrag.
Quelle: Civic Space Report 2026 – Austria, erstellt vom Bündnis für Gemeinnützigkeit im Rahmen des European Civic Forum.
Der österreichische Länderbericht ist Teil des europaweiten Civic Space Report 2026, der vom European Civic Forum gemeinsam mit Partnerorganisationen aus mehreren Ländern erstellt wurde. Der Bericht analysiert die Rahmenbedingungen für Zivilgesellschaft, demokratische Teilhabe, Medienfreiheit und bürgerschaftliches Engagement in Europa. Als zentrale Herausforderungen nennt die Studie unter anderem Angriffe auf die Legitimität von NGOs, Einschränkungen gesellschaftlicher Beteiligungsmöglichkeiten, den Druck auf unabhängige Medien sowie zunehmende Polarisierung. Gleichzeitig zeigt der Bericht aber auch, dass zivilgesellschaftliche Organisationen in vielen Ländern wichtige Beiträge zur Stärkung demokratischer Strukturen und des gesellschaftlichen Zusammenhalts leisten.