Neue Publikation zu Bildung in Polen
27.04.2026 | EB in Europa
Die Publikation The System of Education in Poland 2025 zeigt ein System der Erwachsenenbildung, das politisch stark über Kompetenzen, Beschäftigungsfähigkeit und wirtschaftliche Entwicklung argumentiert wird, dabei jedoch nur begrenzt als eigenständiger Bildungsbereich anerkannt ist. Erwachsenenbildung bleibt rechtlich fragmentiert und ist auf Schul‑, Berufs‑ und Hochschulgesetze verteilt – ein eigenes Erwachsenenbildungsgesetz existiert nicht.
Aus Sicht der öffentlichen und gemeinnützigen Erwachsenenbildung ist diese Ausgangslage ambivalent. Positiv hervorzuheben ist die Integrated Skills Strategy 2030, die lebenslanges Lernen explizit einschließt und nicht‑formales sowie informelles Lernen politisch aufwertet. Gleichzeitig dominiert ein arbeitsmarkt‑ und verwertungsorientierter Kompetenzbegriff, der Bildung primär als Instrument des Upskilling und Reskilling versteht.
Problematisch erscheint insbesondere, dass emanzipatorische, politische und kulturelle Bildungsziele von Erwachsenenbildung kaum sichtbar sind. Zivilgesellschaftliche Träger, Community Education und allgemeine Erwachsenenbildung jenseits unmittelbarer Arbeitsmarktnähe werden zwar erwähnt, bleiben aber strukturell schwach abgesichert. Auch die stark betonte Anerkennung informell erworbener Kompetenzen birgt Risiken: Ohne flächendeckende, qualitativ abgesicherte Beratungs‑ und Validierungssysteme kann sie soziale Ungleichheiten eher reproduzieren als abbauen.
Aus VÖV‑Perspektive verdeutlicht das polnische Beispiel somit eine zentrale europäische Herausforderung: Wenn Erwachsenenbildung primär über Skills‑Politik organisiert wird, droht ihre gesellschaftliche, demokratische und soziale Funktion marginalisiert zu werden. Für eine zukunftsfähige Erwachsenenbildung braucht es daher nicht nur strategische Rahmendokumente, sondern auch klare gesetzliche Verankerung, stabile öffentliche Finanzierung und eine stärkere Rolle gemeinnütziger Anbieter.