Nachbericht: Beitrag auf AK-Konferenz zeigt erneut Finanzierungsdefizite der Erwachsenenbildung in Österreich auf

22.06.2026 | EB in Österreich

Im Rahmen der Arbeiterkammerkonferenz „Berufliche Qualifizierung im Spannungsfeld von Struktur und Individuum“ am 18.6.2026 in Wien zeigte Stefan Vogtenhuber (IHS Wien), dass die Finanzierung entscheidend für Leistungsfähigkeit und Reichweite der Erwachsenenbildung ist.

Ausgangspunkt ist die gesellschaftliche Funktion von Weiterbildung: Sie ist zentrale Voraussetzung für soziale Integration sowie für die Bewältigung von Digitalisierung und ökologischer Transformation. Die PIAAC-Ergebnisse verdeutlichen jedoch, dass Österreich bei Grundkompetenzen hinter den nordischen Ländern zurückliegt – jenen Ländern, die zugleich besonders konsequent in Erwachsenenbildung investieren.

Im Ländervergleich liegt Österreich mit rund 572 Euro pro Kopf im unteren Mittelfeld und deutlich hinter Spitzenreitern wie den Niederlanden (825 Euro) oder Deutschland (732 Euro). Noch aussagekräftiger ist die Struktur der Finanzierung: In Österreich tragen private Haushalte mit rund 61 % den größten Anteil, während die öffentliche Hand lediglich etwa 19 % beisteuert und Unternehmen rund 20 %. Damit ist Österreich das am stärksten durch private Haushalte finanzierten Systeme, während die (z.B. für Volkshochschulen) relevanten staatlichen Budgets am untersten Rand der Skala stehen. Zu berücksichtigen ist zudem, dass in den ausgewiesenen staatlichen Ausgaben auch Mittel enthalten sind, die etwa an Pädagogische Hochschulen oder die Donau-Universität fließen. Werden diese Anteile ausgeklammert, reduziert sich das für die nicht unmittelbar AMS-bezogene Erwachsenenbildung tatsächlich verfügbare öffentliche Budget nochmals deutlich – Schätzungen zufolge um rund ein Drittel. Die reale staatliche Finanzierungslücke fällt damit noch größer aus.

Nordische Länder verfolgen hingegen eine gegenteilige Strategie: In Schweden (53 %) und Finnland (58 %) dominiert die öffentliche Finanzierung klar, während private Beiträge deutlich geringer sind. Gleichzeitig setzen diese Länder stärker auf langfristige, institutionell abgesicherte Weiterbildungsbudgets und weniger auf kurzfristige arbeitsmarktpolitische Instrumente.

Die Auswirkungen zeigen sich auch in der Teilnahme: Österreich erreicht zuletzt rund 56 % Beteiligung am nicht-formalen Lernen und liegt damit hinter Ländern wie Schweden oder den Niederlanden. Gleichzeitig sind betriebliche Weiterbildungsinvestitionen tendenziell rückläufig, was die Bedeutung stabiler öffentlicher Finanzierung weiter erhöht.

Insgesamt ergibt sich ein klares Bild: Erfolgreiche Systeme kombinieren hohe und verlässliche staatliche Investitionen mit breiter Teilnahme. Österreich hingegen weist eine fragmentierte, sozial hoch selektive weil stark privat finanzierte Struktur auf.

Für die Volkshochschulen ist das von zentraler Bedeutung. Als niederschwellige Infrastruktur der Erwachsenenbildung sind sie besonders auf stabile öffentliche Budgets angewiesen. Der internationale Vergleich zeigt deutlich, dass gezielte staatliche Investitionen – jenseits kurzfristiger arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen – ein zentraler Hebel sind, um Weiterbildung nachhaltig zu stärken und ihre gesellschaftliche Wirkung zu entfalten.