Europäische Kommission bestätigt die Bedeutung des lebensbegleitenden Lernens
07.08.2026 | EB in Österreich
Der Länderbericht Österreich 2026 der Europäischen Kommission sendet ein klares Signal: Weiterbildung, Reskilling und Upskilling sind entscheidende Voraussetzungen, um Fachkräftemangel, demografischen Wandel und wirtschaftliche Transformation erfolgreich zu bewältigen. Aus Sicht der Volkshochschulen ist es daher erfreulich, dass lebenslanges Lernen als zentrale Zukunftsaufgabe anerkannt und Bildung als Investition in Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und gesellschaftliche Resilienz verstanden wird. Zudem werden Chancengleichheit, Inklusion und die Aktivierung bislang nicht ausgeschöpfter Potenziale am Arbeitsmarkt als wichtige Ziele hervorgehoben. Gleichzeitig zeigt der Bericht eine Entwicklung, die kritisch zu diskutieren ist. Weiterbildung wird zunehmend aus der Perspektive des Arbeitsmarktes betrachtet. Der Fokus liegt stark auf Beschäftigungsfähigkeit, Fachkräftesicherung und wirtschaftlicher Anpassung. Diese Ziele sind zweifellos wichtig. Erwachsenenbildung erfüllt jedoch weit mehr Funktionen. Sie stärkt demokratische Teilhabe, sozialen Zusammenhalt, persönliche Entwicklung, Gesundheitskompetenz und die Fähigkeit, gesellschaftliche Veränderungen aktiv mitzugestalten. Gerade deshalb wäre eine stärkere Berücksichtigung transversaler Kompetenzen wünschenswert. Fähigkeiten wie kritisches Denken, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit, Medienkompetenz, soziale Kompetenzen und demokratisches Handeln sind nicht nur für den Arbeitsmarkt relevant, sondern auch für eine offene und widerstandsfähige Gesellschaft. Sie verdienen einen deutlich höheren Stellenwert in bildungspolitischen Strategien. Auffällig ist zudem, dass Lernen im Alter und die Bildungsbedürfnisse älterer Menschen kaum thematisiert werden. In einer älter werdenden Gesellschaft sollte lebenslanges Lernen tatsächlich alle Lebensphasen umfassen und nicht primär auf die Erwerbstätigkeit reduziert werden. Aus Sicht der gemeinnützigen Erwachsenenbildung bleibt schließlich auch die Frage der Finanzierung offen. Wenn lebenslanges Lernen als Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit Europas verstanden wird, braucht es langfristig verlässliche und ausreichende öffentliche Investitionen in Weiterbildung. Erwachsenenbildung ist nicht nur ein Instrument der Arbeitsmarktpolitik, sondern ein öffentliches Gut, das wirtschaftliche Entwicklung ebenso fördert wie gesellschaftliche Teilhabe und Demokratie. Der Bericht enthält viele wichtige und begrüßenswerte Impulse. Die zentrale Herausforderung wird jedoch darin bestehen, lebenslanges Lernen nicht ausschließlich als Antwort auf den Fachkräftebedarf zu verstehen, sondern als umfassenden gesellschaftlichen Auftrag, der wirtschaftliche, soziale und demokratische Ziele gleichermaßen verfolgt.