Europa muss lernen, Veränderung zu gestalten

12.10.2026 | EB in Europa

Europa steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, der demografische Wandel, der Fachkräftemangel und zunehmende gesellschaftliche Polarisierung stellen Wirtschaft und Demokratie vor neue Herausforderungen. Technologische Innovationen und wirtschaftliche Investitionen allein werden jedoch nicht ausreichen. Entscheidend ist, ob Menschen Veränderungen verstehen, kritisch beurteilen und aktiv mitgestalten können. 

Erwachsenenbildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie vermittelt nicht nur berufliche Qualifikationen, sondern stärkt auch kritisches Denken, Medienkompetenz, digitale Fähigkeiten und den Umgang mit Unsicherheit. Diese Kompetenzen sind notwendig, um Desinformation zu erkennen, digitale Systeme beurteilen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

Der Zugang zu Weiterbildung ist allerdings ungleich verteilt. Laut den von der EAEA aufbereiteten Daten nahmen innerhalb eines Jahres 49 Prozent der Erwerbstätigen an non-formaler Bildung oder Weiterbildung teil. Bei Arbeitslosen waren es nur 34 Prozent, bei Menschen außerhalb des Erwerbslebens lediglich 17 Prozent. Erwachsene ohne Abschluss der Sekundarstufe II haben zudem ein mehr als dreimal so hohes Risiko, noch nie an non-formaler Bildung teilgenommen zu haben.

Weiterbildung erreicht damit besonders häufig jene, die bereits über gute Bildungsvoraussetzungen verfügen. Hinter einer geringeren Teilnahme stehen jedoch nicht zwangsläufig fehlendes Interesse oder mangelnde Motivation. Häufig verhindern Kosten, Zeitmangel, Betreuungspflichten, fehlende Informationen oder negative Schulerfahrungen den Zugang. Deshalb braucht es leistbare, wohnortnahe und zeitlich flexible Angebote sowie persönliche Beratung.

Auch für die Demokratie ist Erwachsenenbildung unverzichtbar. Demokratie braucht Menschen, die Quellen prüfen, unterschiedliche Perspektiven einordnen und respektvoll miteinander diskutieren können. Volkshochschulen und andere gemeinnützige Bildungseinrichtungen schaffen dafür wichtige Räume der Begegnung. Für viele Menschen ist ein Kurs nicht nur eine Möglichkeit, etwas Neues zu lernen. Er ist auch ein Ort des Austauschs, der sozialen Kontakte und der Zugehörigkeit.

Besonders deutlich wird die Bedeutung lebensbegleitenden Lernens bei künstlicher Intelligenz. KI-Kompetenz bedeutet mehr, als digitale Werkzeuge bedienen zu können. Menschen müssen Ergebnisse überprüfen, Fehler und Manipulationen erkennen, Datenschutzfragen verstehen und beurteilen können, bei welchen Entscheidungen menschliche Verantwortung unverzichtbar bleibt.

Erwachsenenbildung ist daher keine nachträgliche Reparaturmaßnahme. Sie ist gesellschaftliche Vorsorge. Wer in zugängliche Lernangebote und dauerhafte gemeinnützige Bildungsstrukturen investiert, stärkt Beschäftigungsfähigkeit, soziale Teilhabe und demokratische Widerstandskraft.

Europa muss deshalb nicht nur in Technologien, Märkte und Sicherheit investieren. Es muss ebenso in die Fähigkeit seiner Bürgerinnen und Bürger investieren, den Wandel zu verstehen und gemeinsam zu gestalten.

Die angeführten Informationen und Zahlen beruhen auf aktuellen Berichten und Aufbereitungen der European Association for the Education of Adults (EAEA).