Berufliche Weiterbildung in Wahlprogrammen: viel Anpassung, wenig Erwachsenenbildung
13.01.2026 | EB in Europa
Eine aktuelle vergleichende Studie von Bernd Käpplinger untersucht, welche Rolle berufliche Weiterbildung in den Wahlprogrammen der Parteien in Österreich (2024) und Deutschland (2025) spielt. Analysiert wurden die Programme auf Bundesebene.
Zentrale Befunde
- Weiterbildung ist kein zentrales Wahlkampfthema. Viele Parteien äußern sich nur punktuell oder gar nicht zur Erwachsenen- und Weiterbildung.
- Funktionale Sicht dominiert: Wenn Weiterbildung thematisiert wird, dann meist als Instrument zur Anpassung an wirtschaftliche und technologische Transformationen (Fachkräftesicherung, Digitalisierung). Bildung als gesellschaftliche, demokratische oder persönliche Ressource bleibt weitgehend ausgeblendet.
- Erwachsenenbildung kommt kaum vor: Der Begriff selbst spielt in Wahlprogrammen eine marginale Rolle. Stattdessen dominiert der ökonomisch geprägte Weiterbildungsbegriff.
- Zielgruppen statt Strukturen: Parteien sprechen vor allem potenzielle Wähler*innen oder bestimmte Berufsgruppen an. Anbieter der Erwachsenenbildung und das Weiterbildungspersonal – etwa Volkshochschulen und ihre Mitarbeitenden – bleiben fast unsichtbar.
- Sorgearbeit wird kaum berücksichtigt: Die Vereinbarkeit von Weiterbildung mit Care-Arbeit ist in beiden Ländern nahezu kein Thema, obwohl sie eine zentrale Teilnahmebarriere darstellt.
- In Österreich kristallisiert(e) sich darüber hinaus die Bildungskarenz als zentrales, aber umstrittenes Thema heraus.
Insgesamt gilt: Erwachsenenbildung ist noch immer zu wenig sichtbar und droht im politischen Wettbewerb sogar an Bedeutung zu verlieren – gerade in Krisenzeiten. Umso wichtiger ist es, dass Einrichtungen der Erwachsenenbildung ihre Rolle aktiv einbringen und Position beziehen.