Volkshochschulen schaffen Bildungsräume für alle Menschen
07.09.2026 | VHS
Das österreichische Weiterbildungssystem ist durch eine ausgeprägte soziale Selektivität gekennzeichnet. Laut Statistik Austria kommen auf einen weiterbildungsaktiven Menschen mit Pflichtschulabschluss österreichweit etwa fünf Teilnehmende mit Hochschulabschluss. Personen mit höherer formaler Bildung nehmen somit deutlich häufiger an Weiterbildung teil als Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen. Vor diesem Hintergrund kommt den Volkshochschulen eine besondere bildungspolitische Funktion zu. Zwar zeigen sich auch hier Unterschiede nach dem Bildungsniveau der Teilnehmenden, diese fallen jedoch deutlich geringer aus als in der Erwachsenenbildung insgesamt. So haben laut einer repräsentativen OGM-Erhebung bundesweit bereits 28 % der Personen mit Pflichtschulabschluss ein Angebot der Volkshochschulen genutzt. Gleichzeitig werden die Angebote auch von formal höher Gebildeten in hohem Ausmaß in Anspruch genommen. Hinzu kommen österreichweit jährlich rund 300.000 Bildungsberatungen, die besonders niederschwellig, wohnortnah und vielfach auch aufsuchend angeboten werden. Durch die Verbindung von Kursen, Veranstaltungen, Projekten, Bildungsberatung und öffentlich finanzierten Bildungsangeboten erreichen die gemeinnützigen Volkshochschulen unterschiedliche Bildungsgruppen in einer Breite, wie sie in der Erwachsenenbildung nur selten anzutreffen ist.
Dies zeigt sich auch in der Teilnehmer*innenstruktur. Frauen stellen österreichweit rund 72 % der Kursteilnahmen, was auf die besondere Bedeutung der Volkshochschulen als Bildungsort für Gruppen verweist, die im Weiterbildungssystem traditionell nicht zu den besonders privilegierten Zielgruppen zählen. Gleichzeitig sind entgegen verbreiteter Vorurteile nicht ältere Menschen, sondern vor allem die mittleren und jüngeren Erwachsenenjahrgänge überdurchschnittlich vertreten. Volkshochschulen erreichen damit gerade auch Bevölkerungsgruppen, die sich in Ausbildung, Erwerbsleben, Familienphase oder beruflicher Neuorientierung befinden. Volkshochschulen sind somit weder eine Einrichtung der Bessergebildeten noch eine „Reparaturwerkstatt“ für Versäumnisse des formalen Bildungssystems. Sie sind öffentliche Bildungsinstitutionen, die Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen und mit unterschiedlichen Bildungsbiografien offenstehen. Für Wien zeigen Detailstudien darüber hinaus, dass Menschen mit Migrationsgeschichte, Personen mit niedrigeren Einkommen sowie Teilnehmer*innen in der Basisbildung, in Deutschkursen und im Zweiten Bildungsweg in erheblichem Umfang vertreten sind. Insgesamt deutet die Datenlage darauf hin, dass die Volkshochschulen die soziale Selektivität der Weiterbildung nicht aufheben, ihre Auswirkungen jedoch deutlich abschwächen. Während die Weiterbildungsbeteiligung in Österreich insgesamt stark entlang des Bildungsniveaus verläuft, gelingt es den Volkshochschulen in wesentlich stärkerem Ausmaß als dem Weiterbildungssystem insgesamt, Menschen mit unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen in Bildungsprozesse einzubeziehen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Bildungsbeteiligung, Chancengleichheit und lebensbegleitendem Lernen.