Vortragreihe: Antifaschismus im 21. Jahrhundert. Mehr als 300 Teilnehmer*innen bei Auftaktveranstaltung
21.04.2026 | Veranstaltungen
Im Laufe des Jahres 2026 werden in der Vortragsreihe „Antifaschismus im 21. Jahrhundert“ des Demokratiezentrum, der Universität Wien und transversal texts unterschiedliche Gäste über ihre Arbeit zu rechtsextremen und faschistischen Tendenzen sprechen. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, was Antifaschismus im 21. Jahrhundert bedeutet. Der volle Hörsaal bei der Auftaktveranstaltung am 15. April war ein Zeugnis für die Aktualität des Themas: Spätestens mit der zweiten Amtszeit von Donald Trump seit Jänner 2025 befinden wir uns in einer Situation, in der internationales Recht und demokratische Mindeststandards zunehmend vom brutalen Recht des Stärkeren verdrängt werden. Diese globalen kriegerischen Zuspitzungen folgen auf einen seit Jahren anhaltenden Zuwachs an rechtsextremen, ultranationalistischen und ultrakonservativen Kräften.
Bei der Auftaktveranstaltung sprach Vanessa E. Thompson (Associate Professor und Distinguished Professor für Black Studies und Social Justice am Department of Gender Studies der Queen’s University in Kanada) im Vortrag „Schwarze radikale Kritik des Faschismus. Eine antifaschistische Revision.“ über autoritäre und faschistische Tendenzen, die derzeit in vielen Teilen der Welt auf dem Vormarsch sind. Bespielhaft besprach sie die US-Regierung, die eine Hetzkampagne gegen elf Millionen als illegal eingestufte Arbeitskräfte veranstaltet und einen unerbittlichen Krieg gegen sozial Benachteiligte führt, sowie die rechtsgerichtete und migrationsfeindliche Politik, die in den meisten europäischen Ländern sowie in verschiedenen Teilen des sogenannten Globalen Südens weiter an Stärke gewinnt. Diese Entwicklungen lassen sich nicht analysieren, ohne ihre kontextuellen Besonderheiten zu berücksichtigen. Es wird aber auch deutlich, dass es nicht reicht, nur auf rechte oder autoritäre Parteien zu blicken. Eine einseitige Sicht hilft nicht, die heutige protofaschistische Entwicklung zu verstehen oder zu bekämpfen. Gemeint ist damit die wachsende Repression sowie eine Politik der Einschüchterung durch Lager und Gefängnisse in Gesellschaften, die unter einer verschärften neoliberalen Krise leiden. Ebenso wenig deckt ein solcher einseitiger Fokus den Zusammenhang zwischen staatlichem Autoritarismus und Rassismus und Rechtsextremismus auf.
In ihrem Vortrag diskutierte Thompson die aktuelle Konjunktur des Faschismus mit Bezügen auf die radikalen und antikolonialen Interpretationen des Faschismus und dessen Beziehung zu Kolonialismus und Kapitalismus. Ziel war (Un-)Möglichkeiten antifaschistischer Horizonte zu skizzieren.
Info zu weiteren Veranstaltungen unter: Vortragsreihe Antifaschismus im 21. Jahrhundert - Demokratiezentrum Wien
Der VÖV konzipiert in Kooperation mit dem Demokratiezentrum die Online Reihe deMOOC: Demokratie als Lebensform – Über das Politische im sozialen Miteinander | iMooX
Vanessa E. Thompson ist Associate Professor und Distinguished Professor für Black Studies und Social Justice am Department of Gender Studies der Queen’s University in Kanada. Zuvor war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Europa-Universität Viadrina und der Goethe-Universität. Sie forscht und lehrt im Bereich der Black Studies und antikolonialen Theorien, mit besonderem Fokus auf Rassismus und staatliche Gewalt, Abolitionismus, Feminismus und soziale Bewegungen. Sie arbeitet mit abolitionistischen Bewegungen in Europa und darüber hinaus zusammen.