Social Media als neue Volkshochschule?
31.03.2026 | VÖV
Die Debatte um die Rolle von Social Media in der heutigen Bildungslandschaft gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit. In einem Beitrag des Focus-Magazins wurde Social Media nun sogar als „neue Volkshochschule“ bezeichnet. Eine kurze Replik aus Sicht des VÖV.
Ein aktueller Focus-Beitrag von Moritz Behm über Social Media als „neue Volkshochschule“ greift zwar einen real existierenden Trend auf – nämlich die zunehmende Nutzung digitaler Plattformen zur niederschwelligen Informationssuche. Zugleich offenbart er ein bemerkenswert verengtes Verständnis davon, was eine Volkshochschule ausmacht.
Die Volkshochschule ist nämlich kein zufälliger Ort, an dem "Creator" vereinfachte Modelle präsentieren. Sie ist ein institutionell verankerter Bildungsraum mit Qualitätsstandards, Professionalität, curricularer Tiefe und gesellschaftlichem Auftrag. Volkshochschulen sind Säulen einer demokratischen Gesellschaft. Sie leisten Orientierung nicht durch Algorithmen, sondern durch qualifizierte Lehrkräfte, reflektierte Didaktik und durch Räume, in denen Lernen dialogisch und verantwortungsvoll stattfindet.
Natürlich beobachten auch wir, dass viele Menschen erste Berührungspunkte mit komplexen Themen zunehmend auf TikTok oder Instagram suchen. Doch Social Media ersetzt keine strukturierte Kompetenzentwicklung, keine kritische Einordnung, keine geprüften Inhalte und vor allem auch nicht den Faktor des sozialen Lernens. Wer Social Media als „neue Volkshochschule“ bezeichnet, verkennt den Kern öffentlicher Bildung. Die eigentliche Frage lautet daher: Wie bauen wir Social‑Media‑Formate sinnvoll in die Bildungsarbeit ein. z.B. für kurze Lernimpulse oder Community-Dialog. Das ist tatsächlich eine lohnenswerte Diskussion, die freilich schon längst bei den Volkshochschulen angekommen ist. (JE)