Volkshochschulen in Österreich unter Druck

24.10.2022 | VÖV

VÖV-Generalsekretär John Evers: "Einigen Einrichtungen steht das Wasser bis zum Hals"

"Gerade in Krisenzeiten sind Volkshochschulen als Orte der Bildung und Begegnung für die gesamte Bevölkerung gefragt. Gleichzeitig wird die finanzielle Lage an einigen der 800 Standorte in Österreich immer dramatischer. Die Teuerung und die steigenden Energiepreise sind eine enorme Herausforderung für die Budgets der Volkshochschulen. Wir merken auch, dass sich manche Teilnehmende gut überlegen, ob sie sich unser Kursangebot – trotz sehr moderater Preise – noch leisten können. Einigen, oft kleineren, aber für die Nahversorgung mit Bildung so wichtigen Einrichtungen steht das Wasser bis zum Hals" erklärt der Generalsekretär des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen John Evers.

Bedeutungswandel der Volkshochschulen in den letzten Jahren

Bedeutung und Aufgaben der Volkshochschulen haben in den letzten Jahren zugenommen. Volkshochschulen sind oft als Krisenfeuerwehr gefragt. Sie sind zum Beispiel in der Integrations- oder Arbeitsmarktpolitik wichtige Akteure. Gleichzeitig tragen Volkshochschulen durch ein immer breiteres Kursprogramm im Bereich allgemeiner (Erwachsenen)Bildung maßgeblich zur Verwirklichung des lebensbegleitenden Lernens in Österreich bei. Volkshochschulen sind mit bis zu 800.000 Teilnehmenden pro Jahr bundesweit eine führende Bildungsinstitution in der Gesundheitsbildung, bei Sprachen, Kreativität und Gestaltung, Wissenschaftsvermittlung, Basisbildung und Schulabschlüssen. Aktuelle Schwerpunkte sind unter anderem Nachhaltigkeit und niederschwellige Angebote im Bereich der Digitalisierung. "Das Netz der Volkshochschulen bietet sich hervorragend an, um wirklich die gesamte Bevölkerung z.B. in den Digitalisierungsprozess einzubinden. Dafür braucht es aber eine entsprechende Ausstattung. In Deutschland hat sich die Bundesregierung verpflichtet, in diesem Sinne in die Volkshochschulen zu investieren. So etwas wäre auch in Österreich nötig" meint Evers.

Öffentliche Hand muss handeln

Mit einer Zuspitzung der prekären finanziellen Lage vieler Volkshochschulen ist in den nächsten Monaten zu rechnen. Genauso wie bei anderen Bildungseinrichtungen auch, muss der Bund für die Volkshochschulen daher ein Notprogramm zur Verfügung stellen, bzw. Förderungen für die Wirtschaft auch dem Non-Profit-Sektor zugänglich machen. Entsprechende Ansuchen – z.B. um die Preissteigerungen bei den Energiekosten abzufedern - blieben bisher aber unbeantwortet. "Das Netz der Volkshochschulen ist nicht zuletzt auch ein Motor für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade in Krisenzeiten brauchen wir daher starke und warme Volkshochschulen im gesamten Bundesgebiet," schließt Evers.