Ständige Einengung von Bildung auf einen reinen Standortfaktor ist falsch

10.03.2026 | VÖV

Ein aktueller Gastkommentar im Standard kritisiert die bildungspolitische Debatte rund um „weniger Latein, mehr KI“ als verkürzte Scheindiskussion. Der Autor, Univ. Prof. Hannes A. Fellner, betont, dass Österreichs Kernproblem nicht im Umgang mit neuer Technologie liegt, sondern in einer seit Jahrzehnten bestehenden sozialen Schieflage des Bildungssystems. Bildungserfolg werde in Österreich demnach „wie kaum einem anderen Industrieland vererbt“, was strukturelle Ungerechtigkeiten zementiere. Statt diese Ungleichheiten anzugehen, würden politische Entscheidungen technokratisch begründet und Digitalisierung als Modernisierungssymbol überhöht. Der Kommentar kritisiert, dass Ressourcen zunehmend in Verwaltung und Kontrolle fließen, während Zeit für tatsächliche Bildungsarbeit verloren geht. Gleichzeitig werde das kritische, vertiefende Wissen geschwächt, das Menschen befähigt, gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und demokratisch zu handeln.  "Eine echte Stärkung des Bildungssystems braucht daher soziale Öffnung, chancengerechte Strukturen und Raum für kritisches Denken" meint auch VÖV-Generalsekretär John Evers.  Die Volkshochschulen leisten genau hier einen unverzichtbaren Beitrag: Sie ermöglichen Bildungswege unabhängig von Herkunft, fördern kritische Medien- und Informationskompetenz und schaffen Räume für gesellschaftliche Teilhabe – genau jene Elemente, die laut Kommentar im öffentlichen Diskurs oft fehlen.