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Asyl und Flucht

Positionspapier des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen: Bildungsarbeit mit Asylsuchenden, Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten

Das Thema „Flucht und Asyl“ beherrscht die Innen- und Außenpolitik. „Flucht- Asyl-Integration“ ist ein sehr brisantes Thema, das Politik, Bildungsinstitutionen und Zivilgesellschaft vor neue Herausforderungen stellt.

Der Verband Österreichischer Volkshochschulen, der die Interessen von 270 österreichischen Volkshochschulen vertritt, begrüßt die Einrichtung eines Topfs für Integration und die im Papier zur Klausur der Bundesregierung angeführten Maßnahmen. Wir weisen in diesem Zusammenhang auf die langjährige Expertise der österreichischen Erwachsenenbildung, und insbesondere auf die der Volkshochschulen, hin. Wir sind eine der Demokratie verpflichtete, an die Menschenrechte gebundene Erwachsenenbildungseinrichtung und sind offen für die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen. Dadurch fördern wir Kontaktaufnahme und Austausch und tragen so zum sozialen Zusammenhalt bei.

Die Volkshochschulen leisten seit vielen Jahren in der Arbeit mit und für Personen mit Migrationshintergrund einen sehr wertvollen Beitrag. Jährlich werden mehr als 3.500 Deutschkurse durchgeführt.

Jetzt gilt es vermehrt, ort- und zeitnahe Orientierungs- und Bildungsangebote für Asylsuchende, Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte in Österreich zu schaffen und somit den Grundstein für ein eigenverantwortliches Handeln im persönlichen, sozialen und beruflichen Umfeld zu ermöglichen. Gleichzeitig ist die Mehrheitsbevölkerung für diese neue Situation und die damit verbundenen Fragen zu sensibilisieren und in ihrer Handlungsfähigkeit zu unterstützen.

  1. 1. Ausbau der Sprachförderangebote, Orientierungskurse zum Zusammenleben in Österreich

Ausreichende Sprachkenntnisse zählen zu den wichtigsten Integrationsvoraussetzungen. Hierzu gehört selbstverständlich der Ausbau von unterschiedlichsten Angeboten der Landessprache Deutsch. Neben der teilweise notwendigen Alphabetisierung in lateinischer Schrift sollte zumindest ein Erreichen des Sprachniveaus A2 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen ermöglicht werden.

Integraler Bestandteil der Sprachförderangebote sind Themen, die sich mit dem Zusammenleben in Österreich befassen und Orientierung zur österreichischen Kultur und Gesellschaft geben. Dabei geht es auch um die Vermittlung europäischer Werte und Fragen zur österreichischen Gesellschaftsordnung.

Lernhilfe für SchülerInnen, die eine Schule besuchen, Lernhilfe für Personen, die Kurse besuchen, Unterstützung von Studienzirkel (selbstorganisierte Lerngruppen), Zur-Verfügung-Stellung von Lernräumen, Konversationsräumen, Arbeitsmaterialien oder etwa Lesepatenschaften stellen in diesem Zusammenhang niederschwellige Angebote dar, die bereits jetzt an den Volkshochschulen angeboten werden.

Auch andere Sprachkenntnisse, die Flüchtlinge mitbringen, werden im Sinne einer mehrsprachigen Gesellschaft gefördert, da sich die MigrantInnen so viel rascher Zugang zur Gesellschaft verschaffen können.

Die entsprechenden Qualifikationen, fachlichen Kompetenzen und Ausbildungen sind neben dem persönlichen Engagement der Unterrichtenden insbesondere im Zweit- und Fremdsprachenunterricht die wichtigste Grundvoraussetzung für gelungenen Unterricht. Für diese Leistung muss auch eine entsprechende Abgeltung gewährleistet sein.

  1. 2. Kompetenzchecks und Kursmaßnahmen zur beruflichen Integration

Einen immer höheren Stellenwert erhalten berufsspezifische Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, sowie Beratungs- und Coaching-Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene. In diesem Bereich ist vor allem darauf zu achten, Personen mit ihren spezifischen Begabungen, Kompetenzen und ihrem Vorwissen entsprechend zu fördern. Die Volkshochschulen führen Validierungsverfahren durch bzw. sind an solchen beteiligt, welche die vielfältigen Kompetenzen der Menschen sichtbar machen. Dabei sind auch funktionierende Schnittstellen zwischen den unterschiedlichen Schul- und Ausbildungsangeboten einerseits und zwischen diesen und den beruflichen Anforderungen andererseits entscheidend.

  1. 3.    Deutschkurse für Personen in Grundversorgung

Die Volkshochschulen kooperieren eng mit Hilfsorganisationen wie Caritas oder Diakonie und staatlichen Stellen, um den Bedarf der Ehrenamtlichen zu ermitteln und diese direkt ansprechen zu können.

Der Einsatz und das Engagement von Freiwilligen sind in Krisenzeiten besonders gefragt und in derartigen Ausnahmesituationen auch angebracht, da der ad hoc Bedarf nicht nur von qualifizierten Fachkräften gedeckt werden kann. In diversen Unterstützungsmaßnahmen, wie etwa einem Einführungsworkshop oder einem online-Ressourcen-pool, werden freiwillige HelferInnen von der VHS auf ihre Arbeit mit den Flüchtlingen vorbereitet bzw. dabei von ExpertInnen unterstützt. Dieses Angebot richtet sich vor allem an Ehrenamtliche, die bedarfsgerecht für Personen in der Grundversorgung sprachliche und gesellschaftliche Orientierung anbieten, in denen die ersten wichtigsten Informationen zum Leben in Österreich vermittelt werden.

Wir halten es für dringend notwendig, auch für diesen Bereich so rasch wie möglich Mittel bereit zu stellen, die die Durchführung von Kursen durch qualifizierte Fachkräfte ermöglichen.

  1. 4. Zusammenleben und Werte, maßgeschneiderte Integrationsprojekte vor Ort

Die Volkshochschulen führen in den Regionen und vor Ort Integrationsprojekte durch, die ein respektvolles Zusammenleben fördern. Dabei wird lokal und regional mit vielen Stakeholdern, MultiplikatorInnen und Communities zusammengearbeitet.

  1. 5.    Basisbildung und Bildungsabschlüsse

Angebote im Bereich Basisbildung und das Ermöglichen von Bildungsabschlüssen sind in den letzten Jahren zu einem weiteren wichtigen Aufgabengebiet der Volkshochschulen geworden und erhalten durch den Zustrom unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen zusätzlichen Stellenwert.

Die Volkshochschulen führen zahlreiche Maßnahmen durch, die Personen mit Migrationshintergrund, Asylsuchende und Asylberechtigte sowie subsidiär Schutzberechtigte unterstützen und weiterqualifizieren, wobei gleichzeitig die Bevölkerung des aufnehmenden Landes in den Prozess integriert wird.

Um den sozialen Zusammenhalt sicherzustellen sind im Bereich der Erwachsenenbildung Maßnahmen zu fördern, welche die Integration neuer Bevölkerungsgruppen gewährleisten, das Zusammenleben vor Ort unterstützen und einen vorurteilsfreien Umgang miteinander ermöglichen. Für diese Aufgaben sind ausreichende Mittel für die Erwachsenenbildung zur Verfügung zu stellen.

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