44. Fernsehpreis der Erwachsenenbildung für 2011 überreicht

Prammer überreichte Axel-Corti-Preis an Barbara Rett

Vier Verbände der Erwachsenenbildung – die Arbeitsgemeinschaft Bildungshäuser Österreich, der Büchereiverband Österreichs, der Verband Österreichischer Volkshochschulen und das Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer Österreich – übergaben am 5. Juni 2012 im Festsaal der TU Wien zum 44. Mal die Fernsehpreise der Erwachsenenbildung für Inhalt und Gestaltung in drei Preissparten. Die Preisüberreichungen nahmen Spitzenrepräsentant/innen der preisverleihenden Verbände vor.

Für „erwachsenenbildnerisch besonders wertvolle Leistungen im Fernsehen“ wird zum sechzehnten Mal der Axel Corti-Preis vergeben. Die Preisüberreichung nahm die Präsidentin des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer, vor.

Sparte Dokumentation

In der Sparte Dokumentation wurde die auf Okto ausgestrahlte 5-teilige Reportage „Projekt Jugoslawien“ ausgezeichnet. Den Preis erhielten Radovan Grahovac und Matija Serdar.

Radovan Grahovac studierte Wirtschaft, Jura, Kunstgeschichte und Philosophie und schloss die Akademie für darstellende Künste in Zagreb im Fach Theater- und Radioregie ab. Stipendien führten ihn nach Berlin, Paris und in die USA. Als Theater-, Radio- und Fernseh-Regisseur war und ist Radovan Grahovac für den ORF, Alpha Bayern und Okto TV tätig. Den Fernsehpreis für Erwachsenenbildung hat er schon einmal, und zwar für die Sendereihe „Nebenan – Roma in Wien“, erhalten.

Matija Serdar maturierte 2006 am BG 9 in Wien und studiert am Institut für Theater-, Film-und Medienwissenschaften an der Universität Wien. Daneben ist er seit mehreren Jahren praktisch im Theaterbereich sowie in Film und Fernsehen in zahlreichen Produktionen tätig. Das hier ausgezeichnete „Projekt Jugoslawien“ führte Matija Serdar gemeinsam mit seinem Vater Radovan Grahovac 2 Monate lang über 7.000 Kilometer durch die Nachfolgestaaten von Jugoslawien. Matija Serdar hat 2007 den Fernsehpreis für Erwachsenenbildung für die Sendereihe „Nebenan – Roma in Wien“ erhalten.

Matija Serdar mit Radovan Grahovac
Fotos: ORF/Milenko Badzic

Die Preise an Radovan Grahovac und Matija Serdar wurden vom Vorstandsmitglied des Österreichischen Büchereiverbandes, Prof. Magdalena Pisarik, überreicht.

Sparte Film

In der Sparte Film ging der Fernsehpreis der Erwachsenenbildung an Wolfgang Murnberger für die Regie und Drehbuchbearbeitung, Tac Romey und Don Schubert für das Drehbuch und Rupert Henning für die Drehbuchbearbeitung der ORF/ARTE-Multikulti-Komödie „Kebab mit alles“.

Wolfgang Murnberger studierte Regie, Drehbuch und Schnitt an der Wiener Filmakademie und arbeitet seit 1991 als freier Autor und Regisseur. Seine Karriere ist von zahlreichen Erfolgen und Auszeichnungen gekrönt. Den Fernsehpreis der Erwachsenenbildung 2008 erhielt er gemeinsam mit dem ebenfalls heute ausgezeichneten Rupert Henning und Uli Brée für „Der schwarze Löwe“. Mit den Verfilmungen der Wolf-Haas-Romane konnte er beachtliche Erfolge im Fernsehen und im Kino feiern.

Tac Romey ist in West Virginia geboren, lebte in der Türkei, in den USA und Deutschland. In den USA studierte er Schauspiel, Regie und Dramaturgie und graduierte an der renommierten Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island. Tac Romey ist selbständiger Autor, Regisseur und Produzent. Vor allem interessiert er sich für Projekte mit Migrationshintergrund und kultureller Vielfalt. Die von ihm entwickelte Sitcom „Alle lieben Jimmy“ wurde für den Internationalen Emmy, die Rose d’Or, den Prix Europa und den deutschen Fernsehpreis nominiert.

Don Schubert ist kanadischer Staatsbürger. In Deutschland und in Kanada aufgewachsen, studierte er Journalismus, Wirtschaftspolitik, Politikwissenschaften und Rechtswissenschaft. Don Schubert ist Moderator, Journalist und Drehbuchautor und lehrte das Drehbuchschreiben über mehrere Jahre an der Universität Köln. Seine beeindruckende Filmografie umfasst zahlreiche Produktionen verschiedener Formate, von der Dokumentation über Krimis bis zu Komödien.

Rupert Henning lebt als freier Schriftsteller, Schauspieler, Theater- und Filmregisseur in der Nähe von Wien. Er studierte Geschichte und Philosophie und machte seine Theaterausbildung in Wien. Engagements und Inszenierungen an verschiedenen Bühnen folgten. Mehrfach preisgekrönte Arbeiten als Dramatiker, Drehbuchautor für Kino und Filmproduktionen, Satiriker, Schauspieler, Übersetzer, Film- und Theaterregisseur kennzeichnen sein Schaffen und er wurde gemeinsam mit Wolfgang Murnberger und Uli Brée mit dem Fernsehpreis 2008 ausgezeichnet.

Die Preise an die vier Preisträger in der Sparte Film überreichte der Kurator des Wirtschaftsförderungsinstituts, KommR Karl H. Pisec, MBA.


v.l.n.r.: Don Schubert, Tac Romey, Wolfgang Murnberger, Rupert Henning, KommR Karl H. Pisec, MBA
Foto: ORF: Milenko Badzic

Sparte Sendereihe/Sendeformate

In dieser Sparte wurde die Reihe „dok.film“ ausgezeichnet. Der Preis ging für die Sendungsverantwortung an Mag. Franz Grabner.

Franz Grabner ist für zwei Dokumentarslots der Kultur im ORF-Fernsehen zuständig: „dok.film“ und „art.genossen“. Davor entwickelte und leitete er die Religionssendung „kreuz& quer“, für die er mit dem Fernsehpreis der Erwachsenenbildung 2000 ausgezeichnet wurde. Grabner studierte katholische Theologie und Germanistik, war Bildungsreferent der Katholischen Hochschulgemeinde Graz und Leiter des Medienreferats der Diözese Graz-Seckau. Ein von ihm initiiertes Filmfestival wurde zum Programmelement des „steirischen Herbstes“. Lange Jahre war er Lehrbeauftragter für Film und Religion in Graz und an anderen Universitäten, zuletzt auch in Straßburg. Zahlreiche filmjournalistische Arbeiten für österreichische und internationale Zeitschriften hat er verfasst, sein Buch „Utopie und Fragment. Michael Hanekes Filmwerk“ ist bereits in der 5. Auflage erschienen.

 


Foto: ORF/Milenko Badzic

Überreicht wurde der Preis an Mag. Franz Grabner vom Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Bildungshäuser Österreich, Ing. Rudolf Planton.

PreisträgerInnen v.l.n.r.: Mag. Franz Grabner, Wolfgang Murnberger, Rupert Henning,
Dr. Barbara Rett, Don Schubert, Tac Romey, Matija Serdar, Radovan Grahovac
Foto: ORF/Milenko Badzic


Axel Corti-Preis für 2012

Der bereits zum sechzehnten Mal vergebene Axel Corti-Preis wurde von der Jury an die Kulturjournalistin und Erwachsenenbildnerin, Dr. Barbara Rett, verliehen.


Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer mit Dr. Barbara Rett
Foto: ORF/Milenko Badzic

Die promovierte Germanistin und Romanistin Barbara Rett arbeitete schon als Schülerin im Radio bei der legendären Musicbox. Von 1979 bis 1986 war sie in der Erwachsenenbildung als Direktorin der Volkshochschule Hietzing tätig. Im Jahre 1988 kehrte sie wieder zum ORF zurück. Sie ist die Anchorwoman des ORF für Kultur.

Barbara Rett steht aber auch für eine der 8 europäischen Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen, nämlich für „Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit“. Diese Schlüsselkompetenzen sind mehr als nur bloße Wissensvermittlung, sie bauen insbesondere auf Kritikfähigkeit und Reflexion. Und genau das zeichnet die kulturjournalistische Arbeit von Barbara Rett und ihre Performance in vielen Bereichen aus. Rett schürt die Lust auf das Lernen, sie ermöglicht die Teilhabe für viele Menschen – unabhängig von den Voraussetzungen, die die Menschen mitbringen.

Bildung sieht Rett als „Beweglichkeit“, als die „Bereitschaft und das Vermögen, Veränderung als das LEBENDIGE zu begreifen“. Im gleichen Jahr, nämlich 1987, veröffentlichte sie einen Beitrag mit dem Titel „Bilder aus der Bildung“ und sie schreibt darin: „Unsere Gesellschaft hat keinen Mangel an Angepasstheit, Konformismus, Neugier, Uniformität, Nützlichkeit, Gleichklang, Durchschnittlichkeit, aber sicherlich einen Mangel an: Vielfalt, Zivilcourage, Poesie, Originalität, Phantasie, Offenheit“ und sie fordert uns auf, diese Aufzählung selber fortzusetzen. Mit Barbara Rett treffen sich Bildung und das ständige und hinterfragende Weiterlernen mit Qualitätsjournalismus im besten Sinn.

Die bisherigen Träger/innen des Axel Corti-Preises sind Josef Broukal, Dr. Peter Pawlowsky, Prof. Paul Lendvai, Prof. Michael Kehlmann, Michael Haneke, Dr. Hugo Portisch, Dr. Peter Huemer, Georg Stefan Troller, Prof. Barbara Coudenhove-Kalergi, DDr. Adolf Holl und Georg Riha, Dr. Susanne Scholl, Dr. Trautl Brandstaller, Dr. Raimund Löw, Ernst Hinterberger und im Vorjahr Elisabeth Scharang.

Wien, 2012 06 06/GB-CR/PM8