SPURENSUCHE - ein Konzept

SPURENSUCHE meint zunächst die Suche nach Verborgenem, von dessen Existenz nur verstreute Anzeichen Kenntnis geben. Weniger vordergründig ist damit ein Projekt bezeichnet, dem es um die Suche nach Elementen der Vergangenheit geht, deren spezifisches Profil sich unter dem Paradigma traditioneller „großer“ Geschichtsforschung nur wenig abzuzeichnen vermag und deren potentieller Aussagewert daher entsprechend unberücksichtigt geblieben ist.

Die Geschichte der Bildung meint in der Regel hauptsächlich die Historiografie der großen nationalen Bildungs- und Kulturinstitutionen wie sie uns mit der Schule und der Universität bzw. den verschiedenen Agenturen der »Hochkultur« gegeben sind. Dabei nicht berücksichtigt werden für gewöhnlich die am Rand zum bildungsmäßigen und kulturellen Zentrum gelegenen Formen alternativer, nicht staatlicher Kultur- und Wissensvermittlung, wie beispielsweise die vielfältigen Aktivitäten und Erscheinungsformen freier Erwachsenenbildung.

In diesem Sinne versteht sich das Projekt SPURENSUCHE als Archäologie bislang kaum wahrgenommener Elemente der Vergangenheit, deren Indizien – frei mit Walter Benjamin, Carlo Ginzburg oder Michel Foucault gesprochen – gegen den vorherrschenden main stream historiografischer Forschung zu recherchieren und dauerhaft zu sichern sind.

Im konkreten Fall der Geschichte der modernen Erwachsenenbildung und populären Wissenschaft bedeutet dies, die traditionelle epistemologische Bildungs-Pyramide umzudrehen: nicht Bildungsgeschichte, aufgezeigt und dargestellt anhand der großen staatstragenden Institutionen, sondern SPURENSUCHE nach den auf den ersten Blick weniger auffälligen Formen alternativer Wissensvermittlung, den beteiligten Akteuren, den zugrundeliegenden institutionellen und symbolischen Organisationsformen sowie den Spezifika der darin zirkulierten Ideen.

Entlang der hier auftauchenden Bruchlinien von Hochkultur, Volks- und Popularkultur, Illiterarität und Literarität, sowie den edukativen Ausschließungsprozessen zwischen der gesellschaftlichen Elite und der breiten Masse, eröffnen sich inhaltlich spannende wie auch methodologisch interessante Forschungsbereiche, denen die Zeitschrift SPURENSUCHE ein Forum bieten möchte.

Zuletzt und im engeren Sinne verstanden, meint SPURENSUCHE die Spurensicherung im Bereich der vielgestaltigen Vergangenheit der Volkshochschule selbst, der Geschichte ihrer Organisationen, Akteure und Ideen.

Redaktion: Dr. Hans Altenhuber, Dr. Wilhelm Filla, Dr. Christian H. Stifter